Kultur eines gemeinsamen Umgangs miteinander

„Gemeinde – Psychiatrie – Kultur“ (GPK) wurde 1991 in Ravensburg gegründet, um ein öffentliches, trägerübergreifendes Forum für sozialpsychiatrische Ideen in der Region anzubieten.

 

Im Namen steckt das Programm. Die „Gemeinde“ wird informiert und einbezogen. „Gemeindepsychiatrie“ ist ein wichtiges Schlagwort des Aufbruchs der Psychiatrie aus den „Anstaltsmauern“,  die Versorgung soll da stattfinden, wo die Betroffenen herkommen. Die Einrichtungen schaffen eine „Psychiatriekultur“,  wie mit psychisch Kranken gearbeitet werden soll. Schließlich lassen sich psychiatrische Themen nicht nur in Fachvorträgen darstellen. Wichtige Medien sind auch literarische Lesungen, Theateraufführungen, Filme, Ausstellungen:  „Kultur“.  „Gemeinde – Psychiatrie – Kultur“:  Das ist die Vision einer gemeinsamen Kultur des Umgangs miteinander, wie die Gemeinde der Psychiatrie begegnet und wie die Psychiatrie in der Gemeinde lebt.

 

„Gemeinde – Psychiatrie – Kultur“ – Veranstaltungen werden von engagierten Mitarbeitern der Träger sozialpsychiatrischer Einrichtungen in den Landkreisen Ravensburg und Bodenseekreis – Arkade, Bruderhaus-Diakonie,  Pauline 13, und ZFP Südwürttemberg in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ravensburg – organisiert und von den Trägern finanziert. Die Veranstaltungen kosten zum größten Teil keinen Eintritt. Sie richten sich im Gegensatz zu den reinen Fortbildungsveranstaltungen der einzelnen Träger außer an professionelle Fachleute vor allem auch an die Betroffenen,  deren Angehörige und die Öffentlichkeit.  In diesem Sinne wurde im Jahr 2008 das Trialog-Forum ins Leben gerufen, das inzwischen ein wichtiger Teil  im gemeindepsychiatrischen Leben geworden ist.

 

Die Veranstaltungen werden an den verschiedensten Orten angeboten, um das Publikum zu dort finden, wo es sich „zu Hause“ fühlt. So ist dessen Zusammensetzung auch sehr unterschiedlich. Zu Fachvorträgen über Therapiemodelle kommen mehr Fachleute,  in einer Lesung über einen Autor mit Psychiatrieerfahrung sind literarisch interessierte angesprochen,  ein Vortrag über Demenz richtet sich an die Angehörigen.  Feste Reihen haben sich etabliert: neben dem Trialog-Forum eine Filmreihe in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Linse in Weingarten und Veranstaltungen zum Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober.

 

Die Liste der Referenten ist lang und bunt:  vor allem natürlich der Pate der Gemeindepsychiatrie Dr. Dr. Klaus Dörner aber auch Betroffene wie Antje Müller zum Thema Stimmenhören oder Claudia Scherer mit einer Lesung aus ihren Gedichten. Zu einem Vortrag von Dr. Ewald Rahn zum Thema „Borderline – verstehen und bewältigen“ kamen auch viele Betroffene und beteiligten sich rege an der Diskussion. Wie schon öfters, konnten die Informationen aus dem Vortrag in einem zweitägigen Workshop vertieft werden.

 

Die Kultur des Umgangs muss gepflegt, Sozialpsychiatrie gelebt werden.  Die „Gemeinde – Psychiatrie – Kultur“ schaut optimistisch in die Zukunft.